Podcast: Energiekrise

 

1973 als Blaupause
Im April haben wir den Schockraum beschrieben – jetzt sind wir darin

Im April lautete unsere Aussage: Ein echter Systemschock erzeugt nicht nur eine Preisspitze. Er verändert das Preisregime.
Damals war das Vorwarnung.

Heute haben wir Hormus, Bab al-Mandab, die Ost-West-Pipeline, eine amerikanische strategische Reserve auf dem niedrigsten Stand seit 1982, einen globalen Lagerabbau von rund 400 Millionen Barrel, China vor einem möglichen Wechsel vom Lagerabbau zurück zum aggressiveren Einkauf und Europa mit Gasspeichern, die wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode erschreckend leer sind.

 

Das ist nicht mehr nur eine Ölpreisgeschichte.
Das ist eine Geschichte über fehlende Puffer.

Inhalt:

  • Im April war es das Risiko – heute sind es die Leitungen
  • 1973: Es brauchte erschreckend wenig
  • Der Unterschied zu 1973: Heute fliegen mehrere Sicherungen gleichzeitig
  • Hormus ist nicht irgendeine Meerenge
  • Bab al-Mandab: Die zweite Sicherung fliegt
  • Und dann fällt auch noch die Ost-West-Pipeline aus
  • Die Größenordnung ist brutal genug
  • Das Problem ist nicht nur, dass Öl fehlt – die Welt hat ihre Puffer bereits verbrannt
  • Die USA leben bereits von der letzten Verteidigungslinie
  • Washington versucht Zeit zu kaufen
  • Nach der Entnahme kommt das Auffüllen – und alle wollen dieselben Barrel
  • China ist die große unbekannte Variable
  • Genau das kommt jetzt alles gleichzeitig
  • Öl kann nicht bis auf null leergepumpt werden
  • Europa fährt mit halbleeren Gasspeichern in den Winter
  • Europas Gasproblem hängt ausgerechnet ebenfalls an Hormus
  • Das ist der Unterschied zwischen teuer und nicht vorhanden
  • Diesel ist das eigentliche Gift
  • Dann wird Essen richtig hässlich
  • Schweröl frisst sich durch den Welthandel
  • Kerosin trifft die nächste Ebene
  • Die Zentralbanken sitzen in der Falle
  • Diese Energiepreisschocks sind kein Unfall
  • Im April haben wir den Schockraum beschrieben – jetzt sind wir darin
  • Der zweite Schock kommt erst beim Wiederauffüllen
  • Nach den Midterms können die Dämme brechen
  • 1973 war die Warnung

 

Podcast: Die Bank of Japan wirkt

 

Kippt der Yen Carry-Trade?

Am 4. Mai haben wir geschrieben: USDJPY 140 ist aktuell die wichtigste Zahl der Welt.

Nicht weil 140 irgendeine magische Chartmarke wäre. Sondern weil an dieser Achse entschieden wird, ob aus einer Bewegung im Yen ein globales Liquiditätsereignis wird. Damals war unsere These klar: Die Gefahrenzone beginnt nicht erst bei 140. Sie beginnt dort, wo der Markt begreift, dass 140 erreichbar wird.

Im Podcast gibt es eine persönliche Anmerkung zum verbreiten offensichtlicher Fake-News vieler sogenannter Experten, Börsen-Gurus u.ä. Gedöns (wie es Alt-Kanzler Gerhard Schröder mal so schön nannte).

Am 4. September folgte der nächste Schritt.
„Die Spekulanten werden sich die Finger verbrennen.“

Die Bank of Japan hatte ihre Strategie verändert. Nicht mehr nur Milliarden in den Markt werfen, den Yen nach oben schlagen und anschließend dabei zusehen, wie die Spekulanten nach einigen Tagen wieder in denselben Trade zurückkehren.

Diesmal ging es um etwas anderes.
Der Markt soll unsicher sein. Das ist der entscheidende Unterschied.

Rate Checks. Unterschiedliche Accounts. Schläge an technischen Marken. Eine bewusst falsch gesetzte Fährte am 61,8%-Retracement. Und vor allem die permanente Frage für jeden Yen-Short: War das gerade echte Intervention? War es nur ein Rate Check? Hat jemand seine Position reduziert? Läuft bereits neues Volumen? Kommt der nächste Schlag?

Die eigentliche Idee dahinter hatten wir ebenfalls klar formuliert:
Denn sobald der Markt beginnt, Yen zu kaufen, weil er Angst davor hat, dass die BOJ Yen kaufen wird, arbeitet er für die BOJ.
Seit dem 9. September bekommt dieser Satz eine neue Qualität.

Inhalt:

  • Genau das wollte die BOJ erreichen
  • Aus dem Yen-Short wird ein Yen-Long
  • Die Grundlage verändert sich
  • 103 Milliarden Dollar sitzen auf der falschen Seite
  • Die wichtigste Veränderung findet vor dem eigentlichen Unwind statt
  • Wenn freiwilliges Verkaufen aufhört
  • Der Markt hat die Unsicherheit verstanden
  • Die Zinsdifferenz arbeitet nicht mehr nur für die Spekulanten
  • Japanisches Geld muss nicht mehr zwingend ins Ausland
  • Die 4-Billionen-Dollar-Frage bleibt
  • Dann kommen die US-Treasuries
  • Der Unterschied zu früher
  • Von 153 über 142 bis 140
  • Die Bank of Japan wirkt
  • Kippt der Yen Carry-Trade?
  • Und am Ende sitzen plötzlich zwei im selben Boot

 

Podcast: JPY Intervention

 

Oder: Unsicherheit als Mittel der Wahl

Wie wir Ihnen vor einigen Wochen bereits gesagt haben: Die Spekulanten werden sich die Finger verbrennen. Genau das ist passiert.

Auch das, was danach kam, war keine Überraschung. Wir hatten beim USD/JPY nach dem ersten Schlag den Rücklauf aus dem Bereich um 157 in Richtung 160 erwartet. Genau dort lief der Markt hin – sauber bis an das 61,8%-Fibonacci-Retracement.

 

Keine Zauberei. Keine Überraschung. Sondern ziemlich exakt das, was wir erwartet hatten.

Nach 23 Jahren im Yen-Handel muss ich nicht darüber rätseln, ob die Bank of Japan interveniert. Ich kenne die Handschrift. Interessanter ist, wie Japan diesmal vorgeht. Denn man hat aus den vergangenen Interventionen gelernt.

Die stärkste Waffe ist nicht mehr allein das Geld.
Es ist die Unsicherheit.
Nicht wir sind unsicher. Der Markt soll unsicher sein. Das ist der entscheidende Unterschied.

Denn sobald der Markt beginnt, Yen zu kaufen, weil er Angst davor hat,
dass die BOJ Yen kaufen wird, arbeitet er für die BOJ. VC

 

Inhalt:

  • Die bewusst falsch gesetzte Fährte
  • Warum 100 Milliarden weniger wert sein können als Unsicherheit
  • Was sind Rate Checks?
  • Der Markt erledigt einen Teil der Arbeit selbst
  • Unter dem Ganzen liegt der größte Carry Trade der Welt
  • Wenn freiwilliges Verkaufen aufhört
  • Japan will diesen Yen nicht mehr
  • Der Yen ist der Stressmesser
  • Nicht wir sind unsicher

 

Podcast: Das Ende der KI Investmentblase

 

dot com 2.0 - nur anders - damals hieß es C-Day

 

Wir nennen es bewusst nicht KI-Blase. Wir nennen es KI-Investmentblase. Dieser Unterschied ist nicht semantisch, sondern die Grundlage der gesamten Betrachtung. Wir halten künstliche Intelligenz für real, für disruptiv und wahrscheinlich für eine der wichtigsten technologischen Veränderungen dieser Dekade. Die Modelle werden besser, die Anwendungen werden zahlreicher, die Kosten werden sinken und ein erheblicher Teil dessen, was heute noch von Menschen erledigt wird, wird künftig von Maschinen übernommen oder zumindest massiv unterstützt werden. Das alles kann stimmen. Und trotzdem kann sich rund um diese Technologie gerade eine der größten Kapitalfehlallokationen seit der Jahrtausendwende aufbauen.

Denn mit der Technologie Recht zu haben und mit dem Investment Recht zu haben, sind zwei völlig verschiedene Spiele. Das haben wir schon einmal erlebt. Damals hieß es C-Day.

Das Internet war keine Blase. Glasfaser war keine Blase. Router waren keine Blase. Der explodierende Datenverkehr war keine Fantasie. Die Vorstellung, dass irgendwann Milliarden Menschen, Unternehmen und Maschinen permanent miteinander verbunden sein würden, war nicht zu optimistisch. Im Gegenteil: Sie war noch viel zu konservativ. Und trotzdem platzte die Dotcom-Blase.

Cisco war damals keine Pommesbude mit Website. Cisco war profitabel, technologisch führend und einer der wichtigsten Ausrüster jener Infrastruktur, auf der die digitale Revolution anschließend tatsächlich stattfand. Die Aktie verlor trotzdem rund 89 Prozent ihres Wertes. Amazon verlor vom Hoch zum Tief rund 94 Prozent. Das Internet gewann. Die Technologie gewann. Die Infrastruktur wurde gebraucht. Wer sie zum falschen Preis gekauft hatte, verlor trotzdem.

Inhalt:

  • Die Burg wird wahrscheinlich stehen bleiben
  • Die Technologie ist real. Die Rechnung vielleicht nicht.
  • Viel Begeisterung, wenig Bilanzwirkung
  • Nvidia, OpenAI und das Geld, das im Kreis läuft
  • „Information at your fingertips“
  • Diesmal kommt der Kredit dazu
  • Technologie altert schneller als Schulden
  • Drei Billionen sind irgendwann keine Spielerei mehr
  • Wer hält am Ende die Forderung?
  • Die Infrastrukturblase des Jahres 2000 war ebenfalls real
  • Diesmal sitzen die Burgherren auf der anderen Seite
  • Wenn es brennt, gehen die Burgherren einkaufen
  • Nvidia ist dabei eine eigene Kategorie
  • Der Trade findet dich
  • Oben KI-Hallen. Unten Milch auf Pump.
  • Man braucht überhaupt keinen KI-Crash
  • Was für KI bullish ist, kann für das KI-Investment bearish sein
  • Vielleicht ist nicht die Nachfrage falsch. Vielleicht ist nur der Preis falsch.
  • C-Day
  • Der Verkäufer wird zum Finanzierer
  • Cisco war ebenfalls kein Schrott
  • Diesmal hängt noch mehr Kredit daran
  • Man braucht dafür keinen Einbruch bei Nvidia
  • Der Preis der Revolution
  • Deshalb interessiert uns nicht, ob KI gewinnt
  • Und wenn die Investmentblase platzt?
  • Dot com 2.0 – nur anders
  • Die Irren hatten Recht
  • Eine winzige Hommage an: Christopher Hartnett

 

Podcast: Jackson Hole

 

Diesmal nicht nur irgendein Treffen

Jackson Hole ist jedes Jahr wichtig. Diesmal ist es etwas anderes. Nicht wegen 25 oder 50 Basispunkten. Nicht wegen irgendeines Satzes, den anschließend tausend Analysten in „hawkish“ oder „dovish“ zerlegen. Und auch nicht, weil dort Ende August wieder ein paar der mächtigsten Zentralbanker der Welt bei schöner Aussicht darüber diskutieren, wie sie die Folgen ihrer eigenen Geldpolitik einfangen.

Diesmal geht es um eine wesentlich größere Frage: Wer kontrolliert eigentlich noch den Preis des Geldes?

Das US-Finanzministerium braucht niedrigere langfristige Renditen. Die Fed braucht Glaubwürdigkeit. Und der Bondmarkt braucht beides nicht. Genau das ist die Ausgangslage.

Fast schon passend dazu lautet das offizielle Thema von Jackson Hole 2026 ausgerechnet „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“. Das Treffen findet vom 27. bis 29. August statt.

Normalerweise wäre das ein hübscher Titel für ein paar Panels über Zahlungsverkehr, Stablecoins, Tokenisierung und die Zukunft des Geldes. 2026 könnte daraus etwas sehr viel Ernsteres werden.

Inhalt:

  • Die Vigilantes sind zurück
  • Das Problem sitzt zwischen Treasury und Fed
  • Der dritte Akteur sitzt nicht in Jackson Hole
  • Ausgerechnet Tether
  • Der CLARITY Act bekommt plötzlich eine zweite Bedeutung
  • Diese Käufer haben ein anderes Interesse
  • Vielleicht sind es ausgerechnet die Cryptos, die den USA noch einmal den Arsch retten
  • Der neue Käufer löst das Problem nicht
  • Diesmal nicht nur irgendein Treffen

 

Podcast: Let’s Twist Again

 

Oder die 1. Vorstufe zu QE

Das Entscheidende ist nicht das Volumen. Das Entscheidende ist, dass überhaupt eingegriffen wird. Das US-Finanzministerium beginnt, länger laufende eigene Staatsanleihen zurückzukaufen. Betroffen sind Laufzeiten von zehn bis dreißig Jahren. Offiziell geht es um Liquiditätsunterstützung im Treasury-Markt. Praktisch ist die Zielrichtung kaum zu übersehen: Die Renditen am langen Ende der Zinskurve sollen gedrückt werden.

 

Genau hier beginnt die eigentliche Geschichte. Denn die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen waren zuvor massiv gestiegen. Das ist für die USA nicht irgendein Problem innerhalb eines abstrakten Bondmarktes. An diesen Renditen hängt ein erheblicher Teil der amerikanischen Kreditwirtschaft. Vor allem Hypotheken und andere langfristige Konsumentenkredite orientieren sich an den zehn- und dreißigjährigen Treasury-Renditen. Steigen diese Renditen dauerhaft, steigen die Finanzierungskosten für Häuser, Unternehmen und Verbraucher. Damit wird aus einem Problem des Anleihemarktes sehr schnell ein Problem der gesamten Volkswirtschaft.

Inhalt:

  • Noch kein QE – aber der Staat hat geblinzelt
  • Symbolisches Volumen – gewaltiges Signal
  • Das Problem sitzt am langen Ende
  • Die Käufer werden zum Problem
  • 40 Billionen Schulden ändern die Mathematik
  • Der Treasury konkurriert inzwischen um Kapital
  • Operation Twist ist keine Lösung
  • Dann reagieren Gold und Bitcoin
  • Gold und Bitcoin stehen auf derselben Seite des Tisches
  • Der gefährliche Präzedenzfall
  • Die 1. Vorstufe zu QE
  • Auffallend ist das Datum

 

Podcast: Gold und der 4-Phasen-Zyklus

 

2008 ante portas

Gold fällt. Zentralbanken kaufen. US-Treasuries werden immer teurer. Der Kreditmarkt beginnt an Stellen zu knirschen, an denen der Aktienmarkt noch Wachstum feiert. Auf den ersten Blick passt das alles nicht zusammen. Auf den zweiten sehr wohl.

Denn wer Gold ausschließlich über seinen Tageskurs betrachtet, begeht aus unserer Sicht denselben Fehler, den Märkte vor großen strukturellen Wendepunkten immer wieder machen: Man schaut auf den Preis und übersieht die Veränderung des Systems, in dem dieser Preis entsteht. Genau deshalb beginnen wir diesmal nicht mit Gold. Wir beginnen dort, wo wir vor wenigen Tagen aufgehört haben.

Am 15. August 1971 schloss Richard Nixon das Goldfenster. 55 Jahre später müssen die USA ihre langfristigen Schulden zu Auktionsrenditen platzieren, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Dazwischen liegt der 24. Februar 2022. Für uns weiterhin der eigentliche Point of no Return.

Mit dem Umgang des Westens mit russischen Staatsreserven wurde eine Grenze überschritten, deren Bedeutung damals von vielen vollständig unterschätzt wurde: Zum ersten Mal musste jeder größere staatliche Reservehalter außerhalb des unmittelbaren westlichen Machtblocks ernsthaft neu kalkulieren, was eine Reserve überhaupt wert ist, wenn ein anderer darüber entscheiden kann, ob man im Ernstfall noch darauf zugreifen darf. US-Treasuries verschwanden dadurch nicht. Der Dollar verschwand auch nicht. Aber etwas anderes verschwand: die Selbstverständlichkeit.

Und genau diese Entwicklung ist notwendig, um den Goldmarkt des Jahres 2026 überhaupt zu verstehen. Denn eigentlich müsste Gold längst deutlich höher stehen. Staatsschulden steigen, die Geldmengen bleiben hoch, Inflation ist nicht verschwunden, geopolitische Spannungen nehmen zu, das globale Finanzsystem fragmentiert sich, Zentralbanken kaufen Gold und gleichzeitig wird die Finanzierung der USA immer teurer.

Und was macht Gold? Es fällt.

Inhalt:

  • Preis ist nicht Funktion
  • Der 24. Februar 2022 verändert die Goldgleichung
  • Nicht auf die Reden schauen. Auf die Tresore.
  • China handelt nicht wie ein Trader
  • Der 4-Phasen-Zyklus
  • Phase 1: Der Schock
  • Phase 2: Shakeout
  • Phase 3: Akkumulation
  • Phase 4: Der strukturelle Ausbruch
  • Damit sind wir bei 2008
  • 2008 ante portas bedeutet nicht Lehman morgen
  • Die Zirkularität im KI-Boom
  • Der Kreditmarkt kommt häufig zuerst
  • Heute ist die Ausgangslage schwieriger als 2008
  • QE Unlimited
  • Das Angebot reagiert nicht
  • Der nächste Goldkäufer besitzt vielleicht nur ein Smartphone
  • Der alte Realzins-Zusammenhang bekommt starke Risse
  • 1971. 2008. 2022. 2026.
  • Wo stehen wir heute?
  • 2008 ante portas

 

55 Jahre Nixon-Schock

 

und der Dollar bekommt seine nächste Rechnung

Am 15. August 1971 schloss Richard Nixon das Goldfenster. 55 Jahre später zahlen die USA für 30-jährige Schulden den höchsten Auktionszins seit 2001. Dazwischen liegt der 24. Februar 2022 – der Tag der eigentlichen Zeitenwende.

15. August 1971 trat Richard Nixon tritt vor die Kameras und setzte die Einlösbarkeit des US-Dollars in Gold aus.

 

Das Goldfenster wurde geschlossen.
„Vorübergehend“, wie es damals hieß.

Es kam nie wieder zurück.

Damit begann endgültig die monetäre Ordnung, die unsere Welt bis heute prägt. Der Dollar blieb Weltreservewährung, später abgesichert durch das Petrodollar-System, und US-Treasuries wurden über Jahrzehnte zu dem Asset, das im globalen Finanzsystem praktisch über allen anderen stand.

Der sichere Hafen.
Das Reserve-Asset.
Das Versprechen der USA.

Ausgerechnet unmittelbar vor dem 55. Jahrestag liefert uns der US-Anleihemarkt ein bemerkenswertes Signal.

 

Podcast: Tether


Die Ur-Wale und die Zukunft des digitalen Dollars

Bitfinex - die Pioniere der kommenden Finanzordnung

Im vorherigen Artikel haben wir erklärt, warum der CLARITY Act kein gewöhnliches Cryptogesetz ist, sondern das Grundgesetz der kommenden digitalen Finanzordnung. Aber der CLARITY Act erschafft diese Ordnung nicht. Er kommt zu spät.

Der digitale Dollar existiert längst. Die globale Liquidität existiert längst. Die Infrastruktur existiert längst. Und diejenigen, die sie gebaut haben, warteten weder auf die Erlaubnis Washingtons noch auf die Erkenntnis der Wall Street. Sie bauten zuerst den Markt. Danach kamen die Behörden.

„Bitfinex – schönen Gruß an die Behörden, der Markt sind wir.“ CV

Dieser Satz wurde im Juni 2019 geprägt. Zu einem Zeitpunkt, an dem die heute gefeierten institutionellen Bitcoin-Prediger noch keine Rolle spielten, die großen Vermögensverwalter Bitcoin öffentlich bekämpften und die meisten Banken den gesamten Sektor entweder nicht verstanden oder bewusst kleinredeten.

Der Satz war keine Provokation. Er war eine Zustandsbeschreibung.
Bitfinex war nicht irgendeine Cryptobörse. Bitfinex war die Börse der Ur-Wale. Und Tether war nicht irgendein Stablecoin. Tether war ihre eigene Dollarliquidität.

Inhalt:

  • Die Geschichte beginnt nicht mit der Wall Street
  • Bitfinex war die Wal-Börse
  • Dann bauten sie sich den Dollar selbst
  • Börse, Liquidität und Rechnungseinheit
  • Tether baute, was Banken nicht bauen konnten
  • Die „Tether-Bombe“, die seit Jahren explodieren soll
  • Die profitabelste Bank, die keine Bank sein will
  • Die Reservearchitektur hinter USDT
  • Gold in der USDT-Reserve ist nicht XAUT
  • XAUT – Gold wird digital beweglich
  • Zwei Goldebenen, zwei Machtfunktionen
  • Der nächste Schritt nach dem digitalen Dollar
  • Keine Bank – und trotzdem eine der wichtigsten Dollarbanken der Welt
  • Die Kunden wollen den Dollar – nicht die Bank
  • Der Dollar, den lokale Regierungen kaum stoppen können
  • Tether umgeht die Banken und finanziert Washington
  • Der GENIUS Act war die staatliche Kapitulation vor der Realität
  • Der CLARITY Act kommt auf Tether zu
  • Die Banken haben das Problem inzwischen verstanden
  • Was geschieht, wenn Tether Rendite weitergibt?
  • Die Banken können Tether nicht kopieren, indem sie einen Token ausgeben
  • Die Ur-Wale verstanden den Goldrausch
  • Die sichtbaren Gesichter sind nicht das Machtzentrum
  • Reicher als Gott – und kaum jemand kennt sie
  • Die Seychellen sind kein dekorativer Firmensitz
  • Offshore war kein Zeichen von Schwäche
  • Faktische Unangreifbarkeit
  • Systemrelevanz ohne demokratischen Auftrag
  • Bitcoin, Gold und Tether sind keine Gegensätze
  • Die stille Bitcoin- und Goldstrategie
  • Der Staat braucht Tether möglicherweise mehr als Tether den Staat
  • Kein CBDC – und trotzdem programmierbarer Dollar
  • Die größte Privatbank der digitalen Welt
  • Was geschieht, wenn der Markt kippt?
  • Der Markt hat längst abgestimmt
  • „Der Markt sind wir“
  • Der eigentliche Pionier
  • Der strukturelle Endpunkt

 

Podcast: Der Preis von Gold

 

Xu Luode und der Satz von 2014
⇒ ⇒ ⇒ Gold gegen KI

… und warum Alexander Hamilton und Hegemonie sich nicht vertragen

Alexander Hamilton auf der 10-Dollar-Note. Der Mann, dessen Wirtschaftsordnung die USA vom Agrarstaat zur führenden Industriemacht machte – und dessen Rückkehr heute mit der Dollarhegemonie kollidiert.

 

Die meisten Beobachter analysieren Gold, künstliche Intelligenz, Energie, Währungen, Staatsanleihen und Geopolitik getrennt. Das ist der erste Fehler.
Die USA denken anders. Sie verteidigen kein einzelnes Zahlungsmittel, keinen einzelnen Markt und auch keine einzelne Industrie. Sie verteidigen ein System.

Dollar, Energie, Schulden, Kapitalmarkt, Technologie, Sicherheit und Marktzugang sind keine voneinander getrennten Machtinstrumente. Sie sind das Betriebssystem globaler Macht.

China hat dieses Betriebssystem verstanden. Deshalb versucht China auch nicht, den Dollar mit einer einzigen neuen Währung frontal abzulösen. China baut einzelne Gegenstrukturen: alternative Zahlungssysteme, Rohstoffkorridore, eigene Handelsplätze, physische Goldmärkte, neue Clearingstrukturen, eigene technologische Plattformen und Handelsräume, die im Ernstfall ohne amerikanische Erlaubnis funktionieren sollen.

Der Kampf zwischen den USA und China wird deshalb nicht um eine einzelne Währung, einen einzelnen Rohstoff oder eine einzelne Technologie geführt. Er wird um das Betriebssystem der Welt geführt.
Gold und künstliche Intelligenz sind zwei seiner entscheidenden Bausteine.
Die USA versuchen, ihre Hegemonie durch die Kontrolle der Zukunft zu verlängern. China versucht, seine Abhängigkeit durch die Kontrolle des physischen Fundaments zu reduzieren.

Die USA setzen auf künstliche Intelligenz. China setzt auf Gold.
Auf den ersten Blick sind das zwei völlig verschiedene Wetten. Tatsächlich erzählen sie dieselbe Geschichte – nur von zwei Seiten.
Es ist die Geschichte vom Ende einer Weltordnung, die 1971 begann.

Inhalt:

  • Zwei Supermächte – zwei fundamental verschiedene Wetten
  • Das amerikanische Betriebssystem
  • China verbietet nicht das Gold – China verbietet das Papier über dem Gold
  • Die Notenbanken kaufen nicht Papier – sie kaufen Gold
  • Die offiziellen chinesischen Reserven sagen nur einen Teil der Wahrheit
  • Gold wandert von West nach Ost
  • Xu Luode und der Satz von 2014
  • Shanghai ist der Tresor – Hongkong ist die Tür zur Welt
  • Die Goldkorridore
  • Der Yuan bekommt einen Anker, den China nicht drucken und Amerika nicht einfrieren kann
  • Das alternative chinesische Betriebssystem
  • Die strategische Ellipse: Chinas Goldstrategie entsteht nicht aus reiner Stärke
  • Infrastruktur ist Machtprojektion ohne Flagge
  • Warum Amerika nicht tatenlos zusehen wird
  • Amerikas Antwort: die KI-Billion
  • KI ist nicht das klassische Softwaregeschäft
  • Die KI-Finanzierung dreht sich teilweise im Kreis
  • Der entscheidende amerikanische Vorteil: Produktivitätssprünge durch freie Entfaltung
  • China kann gute Köpfe hervorbringen – Amerika kann gute Köpfe freisetzen
  • Freiheit stellt für die amerikanische Herrscherkaste nicht automatisch ein Systemrisiko dar
  • Sprache als Machtinfrastruktur
  • Chinas KI-Gegenmodell: nicht das beste Modell – sondern das billigste ausreichende Modell
  • Der Ausschalter in Washington
  • Alexander Hamilton und die Rückkehr der Industriepolitik
  • 1971: der Beginn der Finanzialisierung
  • Warum Alexander Hamilton und Hegemonie sich nicht vertragen
  • KI ist der Versuch, den Hamilton-Widerspruch durch Produktivität zu sprengen
  • China baut die stabilere Absicherung – Amerika wettet auf den größeren Sprung
  • Der teure Dollar ist Teil des Problems
  • Zölle, Blockbildung und der mögliche Lastentransfer
  • Gold als Ventil einer Dollarabwertung
  • Die neutrale Weltreserve
  • Die Rechnung von 38.000 Dollar/pro Unze
  • Der Goldpreis als Fassade – These und Gegenposition
  • Gold gegen KI
  • Der fundamentale Unterschied zwischen beiden Wetten
  • Warum Amerika noch lange nicht verloren hat
  • Die messbaren Signale
  • Der Preis von Gold
  • Und erst dann entscheidet sich die Zukunft von Bitcoin

Produktivitätssprünge durch freie Entfaltung. CV

 

Podcast: Gold oder Bitcoin?

 

Den fundamentalen Fehler, den die meisten machen!

Wir starten mit dem absoluten Klassiker:
Angebotsschock durch steigende Energiepreise, wie 1973 und 1979.
Wir hatten dazu einen ausführlichen Artikel publiziert.

So kommen wir dann ganz schnell zum:
Dem Märchen vom Zinsanhebungszyklus

 

Bevor wir uns dem wirklich Wichtigen zuwenden:

Was zahlt keine Zinsen und warum nicht?
Was ist in der digitalen Welt echt und was ist nicht echt?

 

 

Inhalt:

  • Der klassische Angebotsschock
  • Das Märchen vom dauerhaften Zinsanhebungszyklus
  • Warum eine Krise Gold nicht automatisch sofort explodieren lässt
  • Gold zahlt keine Zinsen – oder doch?
  • Überhitzung, Überkorrektur und Marktintervention
  • Gold wird wieder zu Geld
  • Warum Kollateral so wichtig ist
  • Gold als Kollateral für Privatpersonen
  • Tokenisiertes Gold
  • Die goldgedeckte Zahlungskarte
  • Gold als Kollateral für Unternehmen
  • Gold als strategisches Instrument der Staaten
  • Die Goldwährung kommt anders, als die meisten erwarten

 

  • Bitcoin: Wenn das Interesse verschwindet
  • Bitcoin ist nicht mehr neu – aber deshalb nicht bedeutungslos
  • Der fundamentale Fehler
  • Gold oder Bitcoin? Genau das ist die falsche Frage
  • Den Abgesang auf Bitcoin teilen wir nicht
  • Bitcoin ist nicht „Crypto“
  • Was ist in der digitalen Welt echt?
  • Auch beim Gold musst du vertrauen
  • Das Einzige, was in der digitalen Welt echt ist
  • Gold in der materiellen Welt – Bitcoin in der digitalen Welt
  • Gold kann nicht ohne Vertrauensparteien bewegt werden
  • Es geht nicht um Gold oder Bitcoin
  • Das digitale Äquivalent von Gold
  • Eine Transaktion final beenden
  • Bitcoin als Kasseninstrument
  • Wer regelmäßig final abrechnen muss, hält den Bestand vor
  • Bitcoin als Settlement Layer
  • Die Wall-Street-Phase wird enden
  • Eine einzige Sache ist digital knapp
  • Quantencomputer ändern daran nichts
  • Der Fork bleibt Bitcoin
  • Bitcoin ist nicht tot
  • Funktion ist nicht Preis
  • Die einzige sinnvolle Vergleichsgröße

 

  • Die Menschheit hat sich aktuell für Gold entschieden
  • Gold wird Staatsanleihen ersetzen – nicht Bitcoin
  • Bitcoin hat keine großen Feinde – aber auch keinen großen Käufer
  • Was zahlt keine Zinsen und keine Dividenden?
  • Auch das Girokonto ist kein Geld
  • Die Antwort lautet nicht Gold oder Bitcoin

 

 

 

Podcast: Rechenzentren im All ⇒ SPCX

 

Von der Raketenfirma zum Rechenleistungskonzern
Der SpaceX-Börsenstart und die eigentliche Vision

Rechenzentren im All waren vor wenigen Monaten noch ein Meme. Ein Satz für Leute, die sich über überdrehte Tech-Visionen lustig machen wollten. Ein Witz irgendwo zwischen Marskolonie, Super-KI und Milliardärsfantasie.

Das ist vorbei. 

 

Heute ist „Rechenzentren im All“ kein Witz mehr. Heute ist es die logische nächste Stufe einer Industrie, die auf der Erde an ihre physischen Grenzen läuft.

Künstliche Intelligenz braucht nicht nur bessere Modelle. Sie braucht Strom. Sie braucht Chips. Sie braucht Land. Sie braucht Kühlung. Sie braucht Datenleitungen. Sie braucht Kapital. Sie braucht Infrastruktur in einer Größenordnung, die nicht mehr sauber in die alte Logik von Serverhallen, Stromnetzen und Gewerbeflächen passt.

Die KI-Industrie läuft nicht zuerst in ein Softwareproblem.
Sie läuft in ein Infrastrukturproblem.
Genau an diesem Punkt wird SpaceX interessant.

Nicht als Raketenfirma.
Nicht als Starlink-Betreiber.
Nicht als Mars-Erzählung.

Sondern als möglicher Rechenleistungskonzern. Der Börsengang von SpaceX ist deshalb kein normaler Börsengang. Er ist der Kapitalmarktstart einer Strukturwette auf die Industrialisierung des Orbits.

Inhalt:

  • Der Kern: SpaceX geht nicht als Raketenfirma an die Börse
  • Der Merger: Wie aus Raketen, KI und Plattform eine Maschine wurde
  • Die Erde wird für KI zu eng
  • Relay ist nicht Compute
  • Die Cloud-Verträge sind der erste Beweis
  • Colossus: Aus alter Trainingsinfrastruktur wird Cashflow
  • Der Börsengang finanziert den KI-Brennofen
  • Die Bewertung ist keine Bewertung, sondern eine Vorwegnahme
  • Der ETF-Effekt: Zwangsnachfrage nach dem Börsenstart
  • Lock-up: Erst Zwangsnachfrage, dann Angebotsdruck
  • Warum der Orbit wirtschaftlich Sinn ergibt
  • Das Rennen hat begonnen
  • Europa steht wieder daneben
  • Die Machtfrage ist größer als die Aktie
  • Rechenleistung wird zur Machtressource
  • Die Langfristthese: Industrie verlässt die Erde
  • Der harte Investmentkern
  • Schluss: Kein Witz mehr

 

Podcast: Energiekrise und Stagflation

 

Warum Europa vor dem gefährlichsten Wirtschaftsszenario nach dem 2. Weltkrieg steht

Westeuropa redet über Energie noch immer so, als ginge es um Preise. Strompreise. Gaspreise. Dieselpreise. Heizkosten. Verbraucherbelastung.

Das ist zu klein gedacht.

Energie ist kein gewöhnlicher Kostenblock. Energie ist die physische Basis jeder modernen Volkswirtschaft. Ohne billige, sichere und jederzeit verfügbare Energie gibt es keine wettbewerbsfähige Industrie, keine stabile Logistik, keine bezahlbare Produktion, keine verlässliche Versorgung und keine belastbare Mittelschicht.

Wenn Energie knapp oder dauerhaft teuer wird, steigen nicht nur einzelne Preise. Dann steigen die Kosten der gesamten Wertschöpfungskette. Produktion wird teurer. Transport wird teurer. Lagerung wird teurer. Landwirtschaft wird teurer. Chemie wird teurer. Bauwirtschaft wird teurer. Wohnen wird teurer. Lebensmittel werden teurer.

Genau daraus entsteht das gefährlichste ökonomische Szenario überhaupt:

Stagflation.

Die Preise steigen, während die Wirtschaft schwächer wird. Das ist keine normale Inflation. Das ist kein normaler Konjunkturabschwung. Das ist die Kombination aus beidem — und genau deshalb so schwer zu bekämpfen.

Inhalt:

• Die Energiekrise kommt nicht allein
• Der Angebotsschock: das eigentliche Problem
• Reserven sind kein Geschäftsmodell
• Westeuropas Schwachstelle
• Drei Szenarien
• Was Stagflation wirklich bedeutet
• Die 1970er Jahre: die historische Warnung
• Warum es heute gefährlicher ist als in den 1970ern
• Die Euro-Falle
• Staaten und Zentralbanken in der Falle
• Deindustrialisierung als Verstärker
• Warum Energie Wohlstand ist
• Kapitalstruktur in der Stagflation
• Anleihen: das falsche Sicherheitsgefühl
• Lebensversicherungen und Papiervermögen
• Sachwerte: keine Garantie, aber bessere Ausgangslage
• Gold und Silber
• Rohstoffe und Energieaktien
• Aktien: Qualität statt Indexgläubigkeit
• Immobilien: kein automatischer Inflationsschutz
• Internationale Diversifikation
• Der eigentliche Vermögensschutz
• Die zentrale Fehleinschätzung
• Schluss: Energie ist die Basis von Wohlstand

Jede industrielle Revolution war eine Energierevolution. 

Iran und die neue Weltordnung ⇒ (mit Podcast Einleitung)

 

Der Iran-Konflikt als sichtbarer Knotenpunkt der neuen Weltordnung
„Grundsatz-Essay zur Neuordnung globaler Machtstrukturen im 21. Jahrhundert – Teil 6“

Die Iran-Frage ist keine isolierte Nahost-Frage. Sie ist auch keine moralische Debatte über Sympathie oder Antipathie gegenüber Iran, Israel, den USA oder Russland. Wer den Konflikt nur auf dieser Ebene betrachtet, sieht die eigentliche Struktur nicht. Es geht um Machtachsen, Energieflüsse, Leitwährung, Einflusszonen und die Frage, wie die Vereinigten Staaten den Übergang von der unipolaren zur multipolaren Weltordnung kontrollieren wollen.

Der entscheidende Punkt lautet: Die USA haben offenbar verstanden, dass die alte unipolare Weltordnung, in der Washington allein die globale Ordnung definiert, nicht mehr vollständig durchsetzbar ist. Die neue Ordnung ist multipolar. Aber multipolar heißt nicht automatisch chaotisch. Multipolar heißt: Die großen Machtblöcke einigen sich informell oder formal darüber, wer wo Einfluss hat, wer welche roten Linien zieht und welche Räume nicht mehr grenzenlos umkämpft werden.

Europa spielt in dieser neuen Ordnung keine eigenständige Rolle mehr. Europa hat sich strategisch selbst verzwergt. Es hat weder eine eigene Energiearchitektur, noch eine eigene Sicherheitsarchitektur, noch eine eigene monetäre Machtposition, die ausreichen würde, um als echter Großmachtakteur am Tisch zu sitzen. Die relevanten Akteure sind die USA, Russland und China. Europa ist nicht Gestalter dieser Ordnung, sondern Objekt dieser Ordnung.

Ein neues Kapitel der globalen Neuordnung

Seit Beginn des Irankrieges begleiten wir diesen wichtigsten Konflikt der letzten Jahrzehnte mit einer ausführlichen Grundsatzessay-Serie zur Neuordnung globaler Machtstrukturen im 21. Jahrhundert. Dieser Artikel steht nicht isoliert. Er schließt sich nahtlos an die bisherigen Bausteine dieser Reihe an.

Wir haben die Irak-Frage behandelt. Wir haben die Achse Irak–Iran beleuchtet. Wir haben Venezuela beleuchtet. Wir haben die Alternativroute zur Seidenstraße beleuchtet. Wir haben alternative maritime Routen beleuchtet. Wir haben die strategische Wertigkeit der Stablecoin-Industrie beleuchtet. Wir haben Chinas verpasste Chance analysiert, den Settlement-Layer der Zukunft zu dominieren, gemeint ist das Bitcoin-Netzwerk. Wir haben die strategische Einäugigkeit Chinas beschrieben, wenn Bürokraten versuchen, Weltpolitik zu machen. Und wir haben die strukturelle Überlegenheit der USA herausgearbeitet, die sich aus ihrer freiheitlichen Grundstruktur ergibt: aus der Fähigkeit, kreatives Denken, kreatives Handeln, unternehmerische Dynamik und dezentrale Innovation zuzulassen.

Genau darin liegt der entscheidende Vorteil gegenüber China und anderen autokratischen Systemen.

Der Durchmarsch des sogenannten heutigen Westens in den letzten ein- bis zweitausend Jahren war kein Zufall. Dabei geht es nicht um Rassenpolitik. Es geht nicht um biologische Überlegenheit. Es geht nicht um moralische Selbstbeweihräucherung. Es geht um Grundsatzstrukturen: Wie organisiere ich eine Gesellschaft? Lasse ich zu, dass Schwarmintelligenz für mich arbeitet? Lasse ich zu, dass Menschen denken, gründen, riskieren, scheitern, neu anfangen und dadurch Ordnungen schaffen, die keine Zentrale je hätte planen können? Oder versuche ich aus Angst vor Kontrollverlust, jedes einzelne Detail zu kontrollieren?

Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Und es wird auch in der Zukunft nicht funktionieren.

Autokratische Systeme haben immer denselben strukturellen Fehler: Sie verwechseln Kontrolle mit Stärke. Sie glauben, dass Macht daraus entsteht, dass man jeden Prozess überwacht, jede Abweichung sanktioniert, jedes Risiko politisch einfängt und jede Dynamik unter die Kontrolle der Herrschaftskaste zwingt. Aber echte strategische Überlegenheit entsteht nicht durch totale Kontrolle. Sie entsteht durch die Fähigkeit, dezentrale Intelligenz arbeiten zu lassen.

Das angelsächsische System, insbesondere die USA, besitzt hier einen organisatorischen Vorteil, der von autokratischen Systemen regelmäßig unterschätzt wird. Die USA wirken oft chaotisch, widersprüchlich, laut, brutal, opportunistisch und in ihrer Umsetzung manchmal geradezu improvisiert. Aber genau diese Struktur produziert permanent neue Lösungen. Sie erlaubt Kapital, Technik, Macht, Unternehmertum, Spekulation und strategische Anpassung in einer Geschwindigkeit zu kombinieren, die zentralistische Systeme nicht erreichen.

China hat genau hier eine historische Chance verpasst. China hätte den Settlement-Layer der Zukunft unter seine Kontrolle bringen können. China hätte das Bitcoin-Netzwerk, die entstehende globale Abwicklungsschicht, strategisch denken können. Stattdessen hat es aus Kontrollangst, bürokratischer Kurzsichtigkeit und politischer Einäugigkeit genau den Raum verlassen, den jetzt die USA auf ihre eigene, unelegante, aber wirksame Art übernehmen.

Die USA machen es nicht sauber. Sie machen es nicht idealtypisch. Sie machen es nicht nach akademischem Lehrbuch. Aber sie machen es. Sie schaffen sich über Stablecoins, digitale Dollar-Infrastruktur und neue Abwicklungssysteme neue Nachfrage nach US-Staatsanleihen, neue Abnehmer für ihre Schulden und neue Kanäle, um den Dollar in die nächste technische Schicht der Weltwirtschaft zu verlängern.

All das haben wir in den letzten Monaten bereits beleuchtet.

Jetzt betreten wir ein neues Kapitel.

Und es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass das, was sich jetzt strukturell auf der Weltkarte abzeichnet, eine auffällige Ähnlichkeit mit der fiktiven Weltkarte aus George Orwells Klassiker 1984 besitzt. Über einzelne Details der Grenzziehung, über Farben, Länderzuordnungen und Zwischenräume kann man streiten. Die Welt entwickelt sich weiter. Sie ist nicht eins zu eins Literatur. Aber das Systembild ist erkennbar: große Machtblöcke, Einflusszonen, Zwischenräume, Pufferzonen, kontrollierte Konflikträume und eine globale Ordnung, in der nicht mehr ein Zentrum alles bestimmt, sondern mehrere Machtzentren ihre Räume neu sortieren.

Dieser Essay ist deshalb kein isolierter Text über den regionalen Krieg. Er ist der nächste Baustein der größeren Reihe.

Es geht um die neue Weltkarte.
Es geht um die Neuordnung globaler Machtstrukturen.
Iran ist einer der Knotenpunkte, an denen diese neue Ordnung sichtbar wird.

 

Inhalt:

  • Die Grundfrage: Wem nützt es?
  • Wenn die USA Hormus kontrollieren
  • Europa und Russland: der eigentliche Stolperstein
  • Warum die USA sich arrangieren
  • Iran als fehlendes Glied in der Petrodollar-Kette
  • Die USA haben keine echte Wahl
  • Der Iran-Krieg als Systemfrage
  • Die Rolle der Märkte
  • Israel, Uran und Hormus
  • China als eigentlicher Adressat
  • Europa als Nebenfigur
  • Die neue Weltordnung entsteht nicht durch Reden
  • Abschluss: Wer diese Ordnung nicht erkennt, wird von ihr geordnet

 

⇒ Die Einleitung als Podcast (Test-Projekt)

 

Die Vigilantes sind zurück

 

Vertrauen ist nicht nur eine Zinsfrage

Die Zinsen, zu denen sich Staaten Geld leihen müssen, steigen wieder deutlich. In Großbritannien sprangen die Finanzierungskosten zuletzt auf den höchsten Stand seit vielen Jahren. Gleichzeitig musste das amerikanische Finanzministerium ankündigen, deutlich mehr Geld leihen zu müssen als geplant. Die Steuereinnahmen reichen nicht mehr aus. Parallel dazu warnen große Banken offen davor, dass die USA in eine fiskalische Falle geraten sind, aus der sie kaum noch herauskommen.

Diese Entwicklungen sind keine isolierten Ereignisse. Sie hängen zusammen. Sie haben denselben Ursprung: Die Anleihemärkte beginnen wieder, Staaten zu disziplinieren.

Der Begriff dafür lautet: Bond Vigilantes.

  • Das Grundprinzip
  • Drei historische Warnschüsse
  • Das nächste Kapitel läuft bereits
  • Die USA: Kein Knall, sondern struktureller Druck
  • Europa: Langsamer, leiser, aber derselbe Mechanismus
  • Fiskalische Dominanz: Der Punkt, an dem die Notenbank gefangen ist
  • Inflation als unsichtbare Steuer
  • Die Rechnung wird enger
  • Warum das System nicht sofort zusammenbricht
  • Der eigentliche Punkt
  • Die USA haben ein Sonderproblem: Vertrauen ist nicht nur eine Zinsfrage