Am 15. August 1971 schloss Richard Nixon das Goldfenster. 55 Jahre später zahlen die USA für 30-jährige Schulden den höchsten Auktionszins seit 2001. Dazwischen liegt der 24. Februar 2022 – der Tag der eigentlichen Zeitenwende.
15. August 1971 trat Richard Nixon tritt vor die Kameras und setzte die Einlösbarkeit des US-Dollars in Gold aus.
Das Goldfenster wurde geschlossen. „Vorübergehend“, wie es damals hieß.
Es kam nie wieder zurück.
Damit begann endgültig die monetäre Ordnung, die unsere Welt bis heute prägt. Der Dollar blieb Weltreservewährung, später abgesichert durch das Petrodollar-System, und US-Treasuries wurden über Jahrzehnte zu dem Asset, das im globalen Finanzsystem praktisch über allen anderen stand.
Der sichere Hafen. Das Reserve-Asset. Das Versprechen der USA.
Ausgerechnet unmittelbar vor dem 55. Jahrestag liefert uns der US-Anleihemarkt ein bemerkenswertes Signal.
Die US- Verbraucherpreisindizes sind im Deflationsbereich wie die Chinesischen ebenfalls. Dennoch schrammte in der abgelaufenen Woche die US- Zentralbank nur knapp an einer Zinserhöhung für den US- Geldmarkt vorbei, dies mit 3 Stimmen für eine Zinserhöhung.
Versteht kein Mensch, denn die Deflation hat einen Grund.
Nun kommt die empirische Bestätigung des Grundes: „Schockierender“ (uns schockiert der nicht, denn wir kennen unsere Theorie) US- Arbeitsmarktbericht
Der Arbeitsmarktbericht ist ein Schock, da die Wirtschaft Arbeitsplätze verloren hat. Hier die Details:
Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag bei -23.000 gegenüber den erwarteten +86.000.
Die Zahl der neu geschaffenen Stellen im privaten Sektor außerhalb der Landwirtschaft lag bei 30.000 gegenüber den erwarteten 69.000.
Der durchschnittliche Stundenlohn stieg um 0,1 % gegenüber den erwarteten 0,3 %.
Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 % gegenüber den erwarteten 4,2 %.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 34,3 Stunden gegenüber den erwarteten 34,3 Stunden.
Besonders interessant ist, dass die Stundenlöhne nur um 0,1 % gestiegen sind.
Die Löhne von Angestellten im Büro- und Verwaltungsbereich wurden durch KI nach unten gedrückt. Derzeit ist unklar, was das Wachstum der Stundenlöhne bremst.
Xu Luode und der Satz von 2014
⇒ ⇒ ⇒ Gold gegen KI
… und warum Alexander Hamilton und Hegemonie sich nicht vertragen
Alexander Hamilton auf der 10-Dollar-Note. Der Mann, dessen Wirtschaftsordnung die USA vom Agrarstaat zur führenden Industriemacht machte – und dessen Rückkehr heute mit der Dollarhegemonie kollidiert.
Die meisten Beobachter analysieren Gold, künstliche Intelligenz, Energie, Währungen, Staatsanleihen und Geopolitik getrennt. Das ist der erste Fehler.
Die USA denken anders. Sie verteidigen kein einzelnes Zahlungsmittel, keinen einzelnen Markt und auch keine einzelne Industrie. Sie verteidigen ein System.
Dollar, Energie, Schulden, Kapitalmarkt, Technologie, Sicherheit und Marktzugang sind keine voneinander getrennten Machtinstrumente. Sie sind das Betriebssystem globaler Macht.
China hat dieses Betriebssystem verstanden. Deshalb versucht China auch nicht, den Dollar mit einer einzigen neuen Währung frontal abzulösen. China baut einzelne Gegenstrukturen: alternative Zahlungssysteme, Rohstoffkorridore, eigene Handelsplätze, physische Goldmärkte, neue Clearingstrukturen, eigene technologische Plattformen und Handelsräume, die im Ernstfall ohne amerikanische Erlaubnis funktionieren sollen.
Der Kampf zwischen den USA und China wird deshalb nicht um eine einzelne Währung, einen einzelnen Rohstoff oder eine einzelne Technologie geführt. Er wird um das Betriebssystem der Welt geführt.
Gold und künstliche Intelligenz sind zwei seiner entscheidenden Bausteine.
Die USA versuchen, ihre Hegemonie durch die Kontrolle der Zukunft zu verlängern. China versucht, seine Abhängigkeit durch die Kontrolle des physischen Fundaments zu reduzieren.
Die USA setzen auf künstliche Intelligenz. China setzt auf Gold.
Auf den ersten Blick sind das zwei völlig verschiedene Wetten. Tatsächlich erzählen sie dieselbe Geschichte – nur von zwei Seiten.
Es ist die Geschichte vom Ende einer Weltordnung, die 1971 begann.
Inhalt:
Zwei Supermächte – zwei fundamental verschiedene Wetten
Das amerikanische Betriebssystem
China verbietet nicht das Gold – China verbietet das Papier über dem Gold
Die Notenbanken kaufen nicht Papier – sie kaufen Gold
Die offiziellen chinesischen Reserven sagen nur einen Teil der Wahrheit
Gold wandert von West nach Ost
Xu Luode und der Satz von 2014
Shanghai ist der Tresor – Hongkong ist die Tür zur Welt
Die Goldkorridore
Der Yuan bekommt einen Anker, den China nicht drucken und Amerika nicht einfrieren kann
Das alternative chinesische Betriebssystem
Die strategische Ellipse: Chinas Goldstrategie entsteht nicht aus reiner Stärke
Infrastruktur ist Machtprojektion ohne Flagge
Warum Amerika nicht tatenlos zusehen wird
Amerikas Antwort: die KI-Billion
KI ist nicht das klassische Softwaregeschäft
Die KI-Finanzierung dreht sich teilweise im Kreis
Der entscheidende amerikanische Vorteil: Produktivitätssprünge durch freie Entfaltung
China kann gute Köpfe hervorbringen – Amerika kann gute Köpfe freisetzen
Freiheit stellt für die amerikanische Herrscherkaste nicht automatisch ein Systemrisiko dar
Sprache als Machtinfrastruktur
Chinas KI-Gegenmodell: nicht das beste Modell – sondern das billigste ausreichende Modell
Der Ausschalter in Washington
Alexander Hamilton und die Rückkehr der Industriepolitik
1971: der Beginn der Finanzialisierung
Warum Alexander Hamilton und Hegemonie sich nicht vertragen
KI ist der Versuch, den Hamilton-Widerspruch durch Produktivität zu sprengen
China baut die stabilere Absicherung – Amerika wettet auf den größeren Sprung
Der teure Dollar ist Teil des Problems
Zölle, Blockbildung und der mögliche Lastentransfer
Gold als Ventil einer Dollarabwertung
Die neutrale Weltreserve
Die Rechnung von 38.000 Dollar/pro Unze
Der Goldpreis als Fassade – These und Gegenposition
Gold gegen KI
Der fundamentale Unterschied zwischen beiden Wetten
Warum Amerika noch lange nicht verloren hat
Die messbaren Signale
Der Preis von Gold
Und erst dann entscheidet sich die Zukunft von Bitcoin
Die US- Verbraucherpreisindizes sind im Deflationsbereich wie die Chinesischen ebenfalls. Dennoch schrammte in der abgelaufenen Woche die US- Zentralbank nur knapp an einer Zinserhöhung für den US- Geldmarkt vorbei, dies mit 3 Stimmen für eine Zinserhöhung.
Der Grund sind geopolitische Spannungen, die aber wegen Ölpreiserhöhungen zu zusätzlichen Geldabflüssen führen.
Was sind nun die Ursachen für eine solche Reaktion?:
1) Die Monetaristische Wirtschaftstheorie unterscheidet schlicht nicht zwischen Mangelteuerung und Inflation. Alles ist Inflation, wenn es eine Preiserhöhung ist.
2) Etwas, was nicht in den Aufgaben der FED enthalten ist- zur Erinnerung- diese sind maximale Beschäftigung und Geldwertstabilität: Das Management der Zinszeitkurve.
Die Ergebnisse von Intel übertrafen sowohl die Konsensschätzungen als auch die sogenannten „Whisper Numbers“ (inoffizielle Markterwartungen); letztere lagen unter dem Konsens. Hier sind die Einzelheiten:
Intel meldete für das zweite Quartal einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,42 USD gegenüber einem Konsens von 0,22 USD.
Intel meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 16,1 Mrd. USD gegenüber einem Konsens von 14,45 Mrd. USD.
Intel prognostiziert für das dritte Quartal einen Gewinn pro Aktie von 0,38 USD gegenüber einem Konsens von 0,28 USD.
Intel prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 15,8 bis 16,8 Mrd. USD gegenüber einem Konsens von 15,16 Mrd. USD.
Alle Welt spricht – aus gutem Grund – über GPUs statt über CPUs.
Im Vergleich zu CPUs sind GPUs hervorragend für das Training von Spitzenmodellen (Frontier Models) und für Inferenzprozesse mit hohem Durchsatz geeignet.
TSM meldete für das zweite Quartal einen Gewinn von 4,31 US-Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von 3,81 US-Dollar.
Der Umsatz wurde mit 40,2 Mrd. US-Dollar angegeben, verglichen mit einer Konsensschätzung von 39,83 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 33,7 % gegenüber dem Vorjahr. Für das dritte Quartal stellte TSM einen Umsatz von 44,6 bis 45,8 Mrd. US-Dollar in Aussicht, während der Konsens bei 43,67 Mrd. US-Dollar lag.
TSM stockt seine Investitionen in den USA um 100 Mrd. US-Dollar auf; damit beläuft sich das Gesamtvolumen auf 265 Mrd. US-Dollar und umfasst nun 12 Halbleiter- und Packaging-Standorte in den USA.
Wären diese TSM-Ergebnisse bereits im Mai gemeldet worden, wäre die TSM-Aktie deutlich gestiegen und hätte den gesamten Halbleitersektor nach oben gezogen. Der Charakter des Aktienmarktes hat sich jedoch gewandelt, da der Halbleitersektor nun maßgeblich von Südkorea aus gesteuert wird. Über Nacht gab der südkoreanische Aktienmarkt um 6,4 % nach.
Aus einer Meerenge wird ein Geschäftsmodell „Grundsatz-Essay zur Neuordnung globaler Machtstrukturen im 21. Jahrhundert – Teil 7“
Zwei Millionen Dollar pro Supertanker klingen nach Erpressung. Tatsächlich könnten sie das Ergebnis einer präzisen Kalkulation sein: hoch genug, um Iran Milliarden einzubringen – und niedrig genug, damit der Welthandel am Ende zahlt. Iran versucht, seine militärische und geografische Macht über die Straße von Hormus in ein dauerhaftes Geschäftsmodell zu verwandeln.
Berichten zufolge sollen beladene Öltanker für die Passage eine Gebühr von ungefähr einem US-Dollar je transportiertem Barrel entrichten. Bei einem voll beladenen Very Large Crude Carrier, kurz VLCC, wären das bis zu zwei Millionen US-Dollar. Als Zahlungsmittel wurden neben anderen Formen auch Kryptowährungen genannt.
Der Begriff Maut wäre dafür zu freundlich. Iran stellt keine Autobahn bereit, die es gebaut und finanziert hat. Es verlangt Geld für die Durchfahrt durch eine internationale Meerenge, deren freie Passage nach internationalem Seerecht grundsätzlich nicht von einer einseitig erhobenen Gebühr abhängig gemacht werden darf.
Der präzisere Begriff lautet deshalb: Wegezoll. Oder, historisch ungeschminkt: Wegelagerei.
Der mittelalterliche Wegelagerer nahm dem Händler nicht die gesamte Ladung ab.
Er verlangte gerade so viel, dass der Händler zahlte und weiterfuhr.
Die Methode ist alt. Neu sind nur die Größenordnung und die Rechnung. VC
Inhalt:
Zwei Millionen Dollar sind weniger, als sie klingen
Der Preis liegt unterhalb der Widerstandsschwelle
Teheran hat die Alternativen mit eingepreist
Von der Erpressung zur Preisliste
Berechenbarkeit erzeugt Gewöhnung
Die normative Kraft des Faktischen
Bitcoin ist kein Nebendetail
Das eigentliche Geschäft beginnt bei der Masse
Die Golfstaaten würden für ihre eigene Abhängigkeit zahlen
Zwei Millionen Dollar kaufen keine Sicherheit
Die Gefahr liegt nicht bei zwei Millionen
Die chinesische Option
Teheran als verlängerter Arm Pekings?
Sanktionen ohne chinesischen Absender
Die Macht läge in der Unbeweisbarkeit
Vom Wegezoll zur geopolitischen Waffe
Konklusion: Teheran verkauft Gewöhnung
Besondere Konklusion: Washington wird dieses Modell nicht bestehen lassen
Sell the Spike als emotionale Reaktion auf bärische FED?
Der Halbleitersektor zeigte eine Kurslücke nach oben, ausgelöst durch hervorragende Geschäftszahlen des Speicherherstellers Micron (MU). Danach haben die Halbleiterwerte jedoch sämtliche durch Micron erzielten Gewinne wieder eingebüßt.
Apple (AAPL) kündigt aufgrund gestiegener Speicherpreise deutliche Preiserhöhungen an. Es bleibt abzuwarten, ob die Verbraucher diese Preiserhöhungen ohne Weiteres akzeptieren oder ob sie zu einer rückläufigen Nachfrage führen. Auch Microsoft (MSFT) erhöht die Preise für die Xbox.
Sowohl Apple als auch Microsoft heben ihre Preise aufgrund der höheren Speicherkosten an. Was für Micron ein Gewinn ist, bedeutet für Apple und Microsoft eine Belastung.
Die EZB hatte ihren Leitzins bereits um 0,25% angehoben. Zur FED unter dem neuen Gouverneur Warsh:
Neun Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) gaben eine Prognose für eine Zinserhöhung bis Ende 2026 ab.
Die sogenannten „Money-Gurus“ kauften extrem aggressiv Aktien, nachdem Warsh erklärte, er werde seine Prognose nicht im Dot Plot veröffentlichen. Die Interpretation dieser Gurus scheint zu sein, dass Warsh einer Zinserhöhung nicht zustimmt.
Warsh selbst hält den Dot Plot für fehlerhaft und misst ihm keinen Nutzen bei; er brachte diese Meinung zum Ausdruck, indem er keine Prognose abgab.
Die wichtigste Information aus der Erklärung der Fed und der Pressekonferenz sind die zwei fehlenden Wörter: „Maximale Beschäftigung“.
Das Zinserhöhungsgespenst geht um. Die EZB hat ihren Leitzins bereits um 0,25% angehoben. Mit einer Zinserhöhung der FED wird gerechnet.
Dem zu Grunde liegt der Monetarismus, eine ökonomische Theorie, nach der zwischen Mangelteuerung (USA neu 0,4% auf Monatsbasis, das sind hochgerechnet 4,8% auf Jahresbasis) und Inflation nicht unterschieden wird.
Wenn also Waren- und Leistungsmenge dividiert durch Geldmenge ein Quotient ist, dann ist es laut dieser Theorie egal, warum dieser sich verändert.
Durchblickenden Geldmengentheoretikern ist das natürlich nicht egal.
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSM) produziert in Taiwan die fortschrittlichsten KI-Halbleiter.
Zwei große Speicherhersteller, Samsung Electronics (SSNLF) und SK Hynix (HXSCL), haben ihren Sitz in Südkorea. Der südkoreanische Aktienmarkt fiel über Nacht um 5,4 %, der taiwanesische um 1,33%.
Für SPCX (Space X) gab es einen schweren Rückschlag:
S&P hat beschlossen, die Aufnahme von SPCX in den S&P 500 nicht zu beschleunigen, nachdem NASDAQ dies bereits im NASDAQ 100 getan hatte. Man hatte spekuliert, dass der S&P 500 dem Beispiel folgen würde.
Die Nachfrage nach Halbleitern, einschließlich Speichermodulen wird zwar anhalten, sich aber 2028 verlangsamen.
Der Aktienmarkt wird auf diese Verlangsamung bereits im Vorfeld reagieren. Die Verlangsamung könnte eine attraktive Gelegenheit für Leerverkäufe bieten.
Einer der Gründe für den rasanten Kursanstieg der Micron-Aktie (MU) war die Aussage des Micron-CEOs, dass die Nachfrage bis 2026 anhalten werde. Ein weiterer Grund war das Kursziel von 1625 US-Dollar für MU durch einen Wall-Street-Analysten.
Die Marktkapitalisierung von Micron hat mittlerweile die Billionen-Dollar-Marke überschritten.
... niemandem ist bekannt, wie höhere Zinsen Handelswege entsperrten.
Es ist geschehen, schon wieder, das monetaristische Gedankenmonster schlägt zu.
„Logik“ der Zentralbanken:
Das Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) belegt breite Zustimmung zu einer Zinserhöhung. Präsident Trump ernannte Warsh zum Fed-Vorsitzenden, um die Zinsen zu senken, doch Warsh kann dies nicht allein erreichen. Er benötigt die Unterstützung des FOMC.
Aufgrund der aktuellen Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Jahr 2026 bei 60 %. Diese Wahrscheinlichkeit sinkt natürlich, wenn der Iran-Konflikt schnell beigelegt wird.
Die Entwicklungen am Anleihemarkt sind neben den bevorstehenden Zwischenwahlen ein wichtiger Grund für Präsident Trump, den Iran-Konflikt rasch zu lösen.
Präsident Trump stößt in Bezug auf Irans Uran auf zwei gegensätzliche rote Linien.
Der Iran-Konflikt als sichtbarer Knotenpunkt der neuen Weltordnung „Grundsatz-Essay zur Neuordnung globaler Machtstrukturen im 21. Jahrhundert – Teil 6“
Die Iran-Frage ist keine isolierte Nahost-Frage. Sie ist auch keine moralische Debatte über Sympathie oder Antipathie gegenüber Iran, Israel, den USA oder Russland. Wer den Konflikt nur auf dieser Ebene betrachtet, sieht die eigentliche Struktur nicht. Es geht um Machtachsen, Energieflüsse, Leitwährung, Einflusszonen und die Frage, wie die Vereinigten Staaten den Übergang von der unipolaren zur multipolaren Weltordnung kontrollieren wollen.
Der entscheidende Punkt lautet: Die USA haben offenbar verstanden, dass die alte unipolare Weltordnung, in der Washington allein die globale Ordnung definiert, nicht mehr vollständig durchsetzbar ist. Die neue Ordnung ist multipolar. Aber multipolar heißt nicht automatisch chaotisch. Multipolar heißt: Die großen Machtblöcke einigen sich informell oder formal darüber, wer wo Einfluss hat, wer welche roten Linien zieht und welche Räume nicht mehr grenzenlos umkämpft werden.
Europa spielt in dieser neuen Ordnung keine eigenständige Rolle mehr. Europa hat sich strategisch selbst verzwergt. Es hat weder eine eigene Energiearchitektur, noch eine eigene Sicherheitsarchitektur, noch eine eigene monetäre Machtposition, die ausreichen würde, um als echter Großmachtakteur am Tisch zu sitzen. Die relevanten Akteure sind die USA, Russland und China. Europa ist nicht Gestalter dieser Ordnung, sondern Objekt dieser Ordnung.
Ein neues Kapitel der globalen Neuordnung
Seit Beginn des Irankrieges begleiten wir diesen wichtigsten Konflikt der letzten Jahrzehnte mit einer ausführlichen Grundsatzessay-Serie zur Neuordnung globaler Machtstrukturen im 21. Jahrhundert. Dieser Artikel steht nicht isoliert. Er schließt sich nahtlos an die bisherigen Bausteine dieser Reihe an.
Wir haben die Irak-Frage behandelt. Wir haben die Achse Irak–Iran beleuchtet. Wir haben Venezuela beleuchtet. Wir haben die Alternativroute zur Seidenstraße beleuchtet. Wir haben alternative maritime Routen beleuchtet. Wir haben die strategische Wertigkeit der Stablecoin-Industrie beleuchtet. Wir haben Chinas verpasste Chance analysiert, den Settlement-Layer der Zukunft zu dominieren, gemeint ist das Bitcoin-Netzwerk. Wir haben die strategische Einäugigkeit Chinas beschrieben, wenn Bürokraten versuchen, Weltpolitik zu machen. Und wir haben die strukturelle Überlegenheit der USA herausgearbeitet, die sich aus ihrer freiheitlichen Grundstruktur ergibt: aus der Fähigkeit, kreatives Denken, kreatives Handeln, unternehmerische Dynamik und dezentrale Innovation zuzulassen.
Genau darin liegt der entscheidende Vorteil gegenüber China und anderen autokratischen Systemen.
Der Durchmarsch des sogenannten heutigen Westens in den letzten ein- bis zweitausend Jahren war kein Zufall. Dabei geht es nicht um Rassenpolitik. Es geht nicht um biologische Überlegenheit. Es geht nicht um moralische Selbstbeweihräucherung. Es geht um Grundsatzstrukturen: Wie organisiere ich eine Gesellschaft? Lasse ich zu, dass Schwarmintelligenz für mich arbeitet? Lasse ich zu, dass Menschen denken, gründen, riskieren, scheitern, neu anfangen und dadurch Ordnungen schaffen, die keine Zentrale je hätte planen können? Oder versuche ich aus Angst vor Kontrollverlust, jedes einzelne Detail zu kontrollieren?
Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Und es wird auch in der Zukunft nicht funktionieren.
Autokratische Systeme haben immer denselben strukturellen Fehler: Sie verwechseln Kontrolle mit Stärke. Sie glauben, dass Macht daraus entsteht, dass man jeden Prozess überwacht, jede Abweichung sanktioniert, jedes Risiko politisch einfängt und jede Dynamik unter die Kontrolle der Herrschaftskaste zwingt. Aber echte strategische Überlegenheit entsteht nicht durch totale Kontrolle. Sie entsteht durch die Fähigkeit, dezentrale Intelligenz arbeiten zu lassen.
Das angelsächsische System, insbesondere die USA, besitzt hier einen organisatorischen Vorteil, der von autokratischen Systemen regelmäßig unterschätzt wird. Die USA wirken oft chaotisch, widersprüchlich, laut, brutal, opportunistisch und in ihrer Umsetzung manchmal geradezu improvisiert. Aber genau diese Struktur produziert permanent neue Lösungen. Sie erlaubt Kapital, Technik, Macht, Unternehmertum, Spekulation und strategische Anpassung in einer Geschwindigkeit zu kombinieren, die zentralistische Systeme nicht erreichen.
China hat genau hier eine historische Chance verpasst. China hätte den Settlement-Layer der Zukunft unter seine Kontrolle bringen können. China hätte das Bitcoin-Netzwerk, die entstehende globale Abwicklungsschicht, strategisch denken können. Stattdessen hat es aus Kontrollangst, bürokratischer Kurzsichtigkeit und politischer Einäugigkeit genau den Raum verlassen, den jetzt die USA auf ihre eigene, unelegante, aber wirksame Art übernehmen.
Die USA machen es nicht sauber. Sie machen es nicht idealtypisch. Sie machen es nicht nach akademischem Lehrbuch. Aber sie machen es. Sie schaffen sich über Stablecoins, digitale Dollar-Infrastruktur und neue Abwicklungssysteme neue Nachfrage nach US-Staatsanleihen, neue Abnehmer für ihre Schulden und neue Kanäle, um den Dollar in die nächste technische Schicht der Weltwirtschaft zu verlängern.
All das haben wir in den letzten Monaten bereits beleuchtet.
Jetzt betreten wir ein neues Kapitel.
Und es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass das, was sich jetzt strukturell auf der Weltkarte abzeichnet, eine auffällige Ähnlichkeit mit der fiktiven Weltkarte aus George Orwells Klassiker 1984 besitzt. Über einzelne Details der Grenzziehung, über Farben, Länderzuordnungen und Zwischenräume kann man streiten. Die Welt entwickelt sich weiter. Sie ist nicht eins zu eins Literatur. Aber das Systembild ist erkennbar: große Machtblöcke, Einflusszonen, Zwischenräume, Pufferzonen, kontrollierte Konflikträume und eine globale Ordnung, in der nicht mehr ein Zentrum alles bestimmt, sondern mehrere Machtzentren ihre Räume neu sortieren.
Dieser Essay ist deshalb kein isolierter Text über den regionalen Krieg. Er ist der nächste Baustein der größeren Reihe.
Es geht um die neue Weltkarte. Es geht um die Neuordnung globaler Machtstrukturen. Iran ist einer der Knotenpunkte, an denen diese neue Ordnung sichtbar wird.
Inhalt:
Die Grundfrage: Wem nützt es?
Wenn die USA Hormus kontrollieren
Europa und Russland: der eigentliche Stolperstein
Warum die USA sich arrangieren
Iran als fehlendes Glied in der Petrodollar-Kette
Die USA haben keine echte Wahl
Der Iran-Krieg als Systemfrage
Die Rolle der Märkte
Israel, Uran und Hormus
China als eigentlicher Adressat
Europa als Nebenfigur
Die neue Weltordnung entsteht nicht durch Reden
Abschluss: Wer diese Ordnung nicht erkennt, wird von ihr geordnet